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Blutegel


Da die Anfänge der Blutegeltherapie nicht so klar erforscht sind, werden unterschiedliche Wurzeln erwähnt, die von den Ägyptern, Griechen, Römern bis hin zu Indern reichen.

 

Das Wort "Egel", stammt vom griechischen Wort echis, was soviel wie kleine Schlange bedeutet. Bei den Germanen entsprach das Wort "Blutegel" mehr oder weniger dem Wort "Heiler". Dhanvantari, der indische Gott des Ayurveda, hält einen Blutegel in einer seiner vier Hände, und im Englischen wurden die Heiler des Mittelalters als "leecher" (engl. leech = Blutegel) bezeichnet.

 

Pukownik berichtet im Gesundheitsratgeber Blutegel-Therapie, dass bereits 1000 v. Chr. von der systematischen Zucht und Anwendung von Blutegeln berichtet wird.

 

Auch in der Ayurveda-Medizin, der indischen Heilkunde, hatten sie ihren festen Platz.

 

Bis fast zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Therapie allgemein bekannt. Zu dieser Zeit begann die Verdrängung der Naturheilkunde durch die Chemie. Die Blutegeltherapie fiel der Schulmedizin zum Opfer. Da Blutegel weder zu sterilisieren noch keimfrei zu machen sind, wurden sie abgelehnt. Die so in Verruf geratene Blutegeltherapie wurde für ca.100 Jahre verdrängt, bis in den 1980er Jahren die rekonstruktive Chirurgie den Blutegel wiederentdeckte.

 

Derzeit werden in Deutschland Blutegeltherapien vor allem von Naturheilern und Schulmedizinern angeboten und angewendet. Die Blutegel werden mehr und mehr zu einem Bestandteil in der medizinischen Versorgung und werden auch in der Tiermedizin erfolgreich eingesetzt.

 

Der Biss ist sternförmig (man redet hier gerne vom Mercedesstern), und wird durch ca. 80 Kalkzähnchen verursacht, die sich in die Haut raspeln um zum Blut zu gelangen. Durch Öffnungen zwischen den Zähnchen wird Saliva (Blutegelspeichel) abgegeben.

 

Diese Saliva enthält die folgenden bisher identifizierten Wirkstoffe:

Hirudin (Der Hauptwirkstoff sorgt für die Hemmung der Blutgerinnung), Calin (eine ebenfalls für die Blutgerinnung verantwortliche Substanz im Speichel und bewirkt das Nachbluten der Wunde, welches eine reinigende Funktion einnimmt und mit einem sanften Aderlass zu vergleichen ist).

 

Des Weiteren sind die Substanzen Hyaluronidase, Egline, Bdellin, Apyrase, Kollagenase, Destabilase, Piyavit und andere in der Saliva enthalten. Die Funktionen und Inhalte all dieser Stoffe ist noch nicht gänzlich erforscht.

 

In folgenden Gebieten in der Tiermedizin findet die Blutegeltherapie ihren Einsatz:

Allgemeine Gelenkserkrankungen, wie z.B. Arthritis, Arthrose, Spat, Hufrollenerkrankung, Kniegelenksarthrose, Schale. Sehnenentzündungen, akute Rehe, Patellaluxation, Hüftgelenksdysplasie bei Hunden, akute Discopathien, Spondylosen, lokale Pyodermien, Abszesse, Thrombosen, Furunkel/Karbunkel, Ödeme, alle Formen von Entzündungsprozessen, allgemeine Entgiftung des Körpers, nach Kastrationen.

 

Der schonende Aderlass wird in der Tiermedizin vor allem bei Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzt. Bei schmerzhaften Arthrosen der Hüfte oder des Schultergelenks verschaffen die Blutegel Schmerzlinderung und eine Entzündungshemmung. Aber auch in der Entzündungstherapie von Arthritiden und Tendovaginitiden (schmerzhafte Entzündung der Sehnenscheiden) leisten sie wertvolle Hilfe. Die Behandlung schlecht heilender Wunden oder eine Blutansammlung nach Operationen kann durch den Einsatz von Blutegel sinnvoll unterstützt werden.

 

Der große Vorteil bei einer Blutegelbehandlung gegenüber einer traditionellen Behandlung ist, dass innere Organe wie Leber, Niere und Herz nicht belastet werden. Daher ist die Therapie auch bei älteren Tieren sehr gut anwendbar. Insbesondere bei Pferden und Hunden wird die Blutegeltherapie wieder häufiger eingesetzt.